Vorher: laut lesen, nicht auswendig lernen
Eine Trauerrede muss niemand auswendig können. Wichtiger ist, dass Sie den Text einmal gehört haben, bevor Sie ihn vor allen sprechen. Lesen Sie ihn zwei- oder dreimal laut, am besten jemandem vor, der den Verstorbenen kannte. Dabei merken Sie, welche Sätze Ihnen schwer über die Lippen gehen. Die dürfen Sie kürzen oder ändern, auch noch am Abend vorher.
Markieren Sie die Stellen, an denen Sie Luft holen wollen. In unseren Reden steht dafür das Zeichen ‖. Ein schwerer Satz wird leichter, wenn Sie wissen, dass danach eine Pause kommt.
Wie lange Ihr Text dauert
Bei einer Trauerfeier spricht man langsamer als im Alltag. Ratgeber für Redner nennen für Trauerreden 80 bis 100 Wörter in der Minute, für Ansprachen allgemein etwa 130. Wir rechnen mit 120 Wörtern je Minute und kurzen Pausen. Fügen Sie Ihren Text hier ein, dann sehen Sie die ungefähre Dauer.
Liegt Ihr Text deutlich über fünf Minuten und sprechen noch andere, kürzen Sie lieber eine Station im Lebenslauf als eine Geschichte. Die Geschichten sind das, woran sich die Gäste erinnern.
Am Tag der Feier
- Zwei Ausdrucke. Einen für Sie, einen für eine vertraute Person in der ersten Reihe.
- Große Schrift. 16 Punkt oder mehr, kurze Absätze, Seiten nummeriert. Das Licht in Trauerhallen ist oft gedämpft.
- Früh da sein. Kommen Sie 20 bis 30 Minuten vor Beginn. Fragen Sie das Bestattungshaus, ob es ein Pult und ein Mikrofon gibt und an welcher Stelle im Ablauf der Trauerfeier Sie sprechen.
- Wasser und Brille. Ein Glas Wasser ans Pult, die Lesebrille in die Tasche.
- Langsam beginnen. Der erste Satz entscheidet über das Tempo. Sprechen Sie ihn langsamer, als es sich richtig anfühlt.
Wenn die Stimme bricht
Fast jeder, der für einen nahen Menschen spricht, kommt an eine Stelle, an der es nicht weitergeht. Das ist kein Scheitern. Die Gäste empfinden in diesem Moment dasselbe wie Sie.
Halten Sie inne, atmen Sie aus, trinken Sie einen Schluck. Suchen Sie mit dem Blick ein vertrautes Gesicht. Dann lesen Sie den letzten Satz noch einmal, damit Sie wieder hineinfinden. Wenn es gar nicht geht, nicken Sie der Person mit dem zweiten Ausdruck zu. Sie liest weiter, und Sie bleiben vorn stehen oder setzen sich.
Manche Familien teilen eine Rede von vornherein auf: Die Tochter spricht über die Kindheit, der Enkel über die letzten Jahre. Das nimmt jedem Einzelnen etwas Last. Für den Abschied am offenen Grab genügen danach ein paar Sätze, wie auf der Seite Worte am Grab beschrieben.
Karteikarten oder Blätter
Lose Blätter zittern sichtbar in der Hand und rascheln im Mikrofon. Karteikarten im Format A5 lassen sich unten festhalten und liegen ruhig auf dem Pult. Auf jede Karte gehören nur wenige Absätze in großer Schrift und eine Nummer, damit nichts durcheinandergerät. Wer lieber Blätter nimmt, lässt sie ungeheftet, legt sie einzeln ab und schiebt das gelesene Blatt zur Seite.
Wenn Ihre Rede noch nicht steht: Sie können von dem Menschen erzählen, den Sie verabschieden, und bekommen in der Regel nach etwa einer Stunde die fertige Rede als Vorlese-PDF mit Pausenzeichen und Sprechdauer. Mit der Vortragshilfe für 4,90 € kommen eine Übungsfassung mit Zeitmarken je Absatz und die Rede auf Karteikarten zum Ausschneiden dazu (Muster ansehen).
Wie eine Rede aufgebaut sein kann, steht unter Aufbau einer Trauerrede. Wenn die Rede kurz bleiben soll, hilft die kurze Trauerrede mit Beispiel.
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Häufige Fragen
Wie halte ich eine Trauerrede, ohne zu weinen?
Ganz verhindern lässt es sich selten, und das muss es auch nicht. Es hilft, die Rede vorher mehrmals laut zu lesen, die schwersten Sätze zu kennen und an ihnen bewusst Luft zu holen. Wenn die Tränen kommen, halten Sie inne, trinken einen Schluck Wasser und lesen dann weiter.
Wie lange darf eine Trauerrede dauern?
Für eine persönliche Rede aus der Familie sind drei bis fünf Minuten ein gutes Maß, wenn mehrere sprechen eher drei. Bei ruhigem Sprechen sind das etwa 360 bis 600 Wörter. Mit dem Rechner auf dieser Seite sehen Sie, wie lange Ihr eigener Text dauert.
Darf ich die Rede ablesen?
Ja, bei einer Trauerfeier liest fast jeder ab. Niemand erwartet eine freie Rede. Große Schrift und kurze Absätze machen das Ablesen leichter, Karteikarten halten sich ruhiger als lose Blätter.
Was, wenn ich gar nicht weiterkann?
Geben Sie vorher einer vertrauten Person einen zweiten Ausdruck. Sie setzt sich in die erste Reihe und liest an der Stelle weiter, an der Sie aufgehört haben. Das ist bei Trauerfeiern üblich und für niemanden im Raum eine Überraschung.